Das Projekt – Die Musik befreit das Leben

„In einem Chor zu singen ist mehr als Musik zu lernen. Es heißt in eine Gemeinschaft einzutreten und ist ein gutes Mittel um auf geistiger, emotionaler und physischer Ebene Beziehungen einzugehen. Diese Erfahrung verändert dein Leben.“ Das sind die Worte von José Antonio Abreu, ein Freund Claudio Abbados und Gründer des außergewöhnlichen Projekts zur Verbreitung der Musik in Venezuela „Sistema“.
Papageno wurde aus der Gewissheit geboren, dass die Musik ein wirkungsvolles Werkzeug für die soziale Integration des Einzelnen sein kann. Indem sie gemeinsam singen lernen Menschen wie wichtig es ist zuzuhören und sich gegenseitig zu respektieren. So gehen sie Beziehungen und neue Bände ein. Seit 2011 ist Papageno, ein Häftlingschor, die Seele des Gefängnisses „Dozza“ in Bologna. Die TeilnehmerInnen sind Männer und Frauen, etwas das in Haftanstalten besonders selten vorkommt.

Dank der Vereinigung wurde Papageno nie unterbrochen. Seit seinen Anfängen hat der Chor circa 120 Häftlinge umfasst. Jedes Jahr werden zumindest zwei Konzerte organisiert. Ein Konzert mit einem Publikum aus Häftlingen, für die der Chor großen Stolz innerhalb der Gemeinschaft darstellt. Das Andere Konzerte steht einem breiteren Publikum offen, was bei den Sängern immer große Aufregung auslöst, da sie so der Außenwelt voller Zufriedenheit die Früchte ihrer Arbeit zeigen können.

Der Chor, der von Maestro Michele Napolitano geleitet wird ist jedoch nicht Mittel zum Selbstzweck. An den Proben und Konzerten nehmen auch freiwillige Chorsänger teil, die mit den Inhaftierten Kontakt halten. Oft stellen diese Freiwilligen für freigelassene Häftlinge einen Anhaltspunkt dar, an dem sie ihr Leben wieder aufbauen können.

Seit 2015 hat die Vereinigung beschlossen, zusätzlich Bildungsarbeit zu leisten. So sollen zwei Bedürfnisse abgedeckt werden: Einerseits die vertiefende technische Ausbildung der fortgeschrittenen und schon länger involvierten Teilnehmer und andererseits ein propädeutischer Kurs um den Anfängern Chormusik näherzubringen. Aus diesem Grund hat Mozart14 einen Musikerziehungskurs und einen Vokaltechnikkurs organisiert, der seit Jänner 2015 aktiv ist. Die Häftlinge verbinden so den Gesangsteil auch mit dem Erwerb von Wissen.
Die Teilnehmer sind breit gefächert. Es gibt einerseits „historische“ Chorsänger, die im Zuge längerer Haftstrafen leidenschaftlich seit Jahren an den Aktivitäten teilnehmen, aber jedes Jahr verlassen viele Häftlinge das Gefängnis und werden von anderen Chorsängern ersetzt. Für die Neuankömmlinge ist das eine besondere Erfahrung. Meist werden die Häftlinge zuerst zurückhaltend immer mehr von anderen Mitgliedern miteinbezogen, denn Chorgesang ist eine Erfahrung, die sie noch nie gemacht haben. Oft kennen sie die Musik gar nicht und unterschätzen ihre Kraft. Langsam werden sie immer mehr miteinbezogen, entwickeln eine Leidenschaft und versuchen ihren Platz in der Welt zu finden. Für ein paar Stunden ist dieser Platz zwischen Bässen, Tenören, im Alt oder Sopran. Zu Lernen der eigenen Stimme zuzuhören ist die schwierigste Aufgabe. Im Gesang und im Leben.

In primo piano